Zeugnisse

Was ist ein Burnout?

Isabelle Hansez, Professor für Arbeitspsychologie an der Universität Lüttich:
Ein Burn-out ist für mich ein negativer Geisteszustand, der sich mit der Zeit bei Menschen einstellen kann,
denen es eigentlich gut geht. Menschen, die nicht krank sind, denen ihre Arbeit sehr wichtig ist und die ihren Job gerne machen.

Weitere Informationen zur Burnout-Website: https://www.ichfuehlemichgutbeiderarbeit.be

 

 

 

Linda hat vor zwei Jahren Burn-out. Sie sucht immer noch nach Lösungen:
Es war alles durcheinander.
Mein Hormonhaushalt war gestört,
meine Schilddrüse, mein Magen,
mein Verdauungsapparat, alles.

Isabelle Hansez, Professor für Arbeitspsychologie an der Universität Lüttich:
Ein Burn-out ist für mich
ein negativer Geisteszustand,
der sich mit der Zeit
bei Menschen einstellen kann,
denen es eigentlich gut geht.
Menschen, die nicht krank sind,
denen ihre Arbeit sehr wichtig ist
und die ihren Job gerne machen.

Lies, freiberuflicher Berater.Sie arbeitete als Beamte für ihren Burn Out:
Aufstieg war mir immer schon wichtig.
Das war immer schon mein Antrieb.
Je höher, desto besser.
Das hat man mir zu Hause eingebläut:
Man muss es zu etwas bringen.
Also habe ich immer weitergearbeitet,
bis es nicht mehr ging.

Isabelle Hansez:
Oft zeigen Menschen mit Burn-out
dysfunktionale Verhaltensweisen.
Ihre Einstellung zur Arbeit
verändert sich.
Sie distanzieren sich von der Arbeid
und isolieren sich allmählich.
Sie können Kunden gegenüber
zynisch sein.
Man beobachtet,
dass sich bei den Personen
das Verhalten
und die Einstellung verändert.

Romuald, Verwaltungsassistent, hatte vor zwei Jahren einen schweren Burn-Out:
Ich war sehr angespannt und aggressiv.
Wenn irgendetwas Kleines auf der Arbeit
nicht lief, brachte das das Fass
sofort zum Überlaufen.
Ich schnauzte andere an.
Ich war ständig genervt
und meinen Kollegen gegenüber aggressiv.
Ich sah alles kritisch,
jedes Projekt, das nicht vorankam,
auch die Firma selbst.
Es war aber alles übertrieben.

Isabelle Hansez:
Aus so etwas kann sich
ein depressiver Zustand entwickeln,
auch wenn die Person neben der Arbeit
noch Freizeitaktivitäten unternimmt.
Das unterscheidet auch ein Burn-out
von einer Depression.
Eine depressive Person
hat oft keinerlei Interesse mehr
an einem Privatleben,
hat keine Hobbys.
Eine Person mit einem Burn-out
unternimmt des Öfteren etwas,
hat etwas mehr Lebensenergie
als eine Person mit Depression.

Dr. Dirk De Wachter, der bekannte Psychiater, hat eine klare Vision und Meinung über das Phänomen “Burn-Out":
Aus rein wissenschaftlicher Sicht
sagt man:
Die Depression, die ernstere Form,
muss oft mit Medikamenten
und Therapie behandelt werden.
Beim Burn-out fragt man sich eher:
Wie bekomme ich mein Leben organisiert?
Es geht um Körperpflege
und eine gesunde Work-Life-Balance.
Und wie bekomme ich überhaupt
auf der Arbeit meine Dinge geregelt?
Das bekommt man nicht alleine hin.

Linda:
Ich war ständig erreichbar,
wollte das aber nicht wahrhaben.
Ich frage mich auch:
"Warum habe ich das zugelassen?"
Aber damals war das...
Ja, mein Instinkt nach Kompetitivität,
alles zu tun, um etwas zu erreichen.